Gott wird Mensch

Was weiß der Apostel Paulus von Weihnachten?

Kurz vor Weihnachten ist es eine spannende Frage, wie man in der Bibel darüber spricht. Was schreibt z.B. der Apostel Paulus in seinen Briefen über die Geburt Jesu? Es fällt auf, dass Paulus gar nicht viel davon spricht. Eine von wenigen Ausnahmen bildet ein Satz, den wir in seinem Galaterbrief finden.

In der neuen Einheitsübersetzung heißt es: „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt …“ (Gal 4,4). Es sind wichtige Kernaussagen, die Paulus hier zusammenträgt, aber auch doch irgendwie normal. Jesus, „ geboren von einer Frau“, na klar, das ist doch selbstverständlich. „Dem Gesetz unterstellt“ meint, er war Jude, aber was denn sonst? Das ist historisch gesichert. Bedeutender ist, dass „Gott seinen Sohn sandte“. Da fragt man sich, wie geht das? Wie kann man das erzählen? Das war für alle biblischen Schriftsteller nicht einfach, mal eben zu erzählen wie Gott in diese Welt kam. Da geht es ja um die Geburt in Betlehem im Stall, um Maria und Josef, die Hirten, um Ochs und Esel und die Drei Könige aus dem Morgenland. Und die Evangelisten erzählen ausführlich davon, indem sie auf alttestamentliche Geschichten und Bilder zurückgreifen.

Die Evangelisten Matthäus und Lukas berufen sich zum Beispiel auf lange biblische Stammbäume. Sie wollen sagen, dass Jesus nicht einfach vom Himmel fiel, sondern in der langen Liste der Ahnen mit der Geschichte des Volkes Israel verbunden ist. Denn Jesus stammte aus dem Geschlechte Davids. Über den König David werden auch die Namen der Städte Betlehem und Nazareth verbunden. Lukas erzählt von der Volkszählung durch Kaiser Augustus: „So zog auch Josef von der Stadt Nazareth in Galiäa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt, denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids“ (Lk 2,4).

Die „Geburt aus der Jungfrau Maria“ hat im Alten Testament schon ein Vorbild gehabt. Wir finden diesen Satz noch heute im Glaubensbekenntnis und auch die Evangelisten Lukas und Matthäus berufen sich auf den Propheten Jesaja: „Siehe die Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären“ (Jes 7,19).

Die Schreiber des Neuen Testamentes haben also mit Bildern und Geschichten aus dem Alten Testament gelernt über das Wunder der Menschwerdung Gottes zu sprechen. Dies erklärt, warum Paulus zunächst eher wortkarg ist, und dass die Evangelisten dann mit den ausgeschmückten Kindheitsgeschichten, die sie zeitlich etwas später schreiben, das Geheimnis der Geburt Jesu erklären.

Bild: t0m15 Adobe Stock

Über den Autor/ die Autorin

Pater Hans Joachim Winkens SAC

Pallottiner Pater Hans Joachim Winkens SAC, gebürtiger Westerwälder, war lange Jahre Internatsleiter und Rektor im Vinzenz-Pallotti-Kolleg in Rheinbach bei Bonn. 2005-2007 war er der letzte Provinzial der Norddeutschen Provinz der Pallottiner in Limburg. Seit 2007 arbeitet er als Pfarrer in Hamburg. Seit 2014 ist er dort leitender Pfarrer der Pfarrei Seeliger Johannes Prassek. Zugleich ist er Rektor der Pallottinischen Gemeinschaft Nordost. Diese umfasst 10 Mitbrüder und einige weitere Mitglieder der Vereinigung des katholischen Apostolates in Berlin, Hamburg und Bad Zwischenahn.

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