Klimakrise und Gottvertrauen

Leben mit Krisen
- weshalb Gebet und Gottvertrauen nicht genügen

Unsere Welt ist krank. Wir wissen es alle. In diesem Jahr kam noch die Pandemie durch das Corona-Virus hinzu. Symptom dieser Krankheit sind die leider weltweit wieder steigenden Infektionszahlen. Unser Planet wird der blaue Planet genannt. Wegen des Wassers. Wasser bedeutet Leben. Weil es trinkbares Wasser gibt auf diesem Planeten, ist Leben ist möglich. Aber dieses Leben ist gefährdet. Nicht nur durch Corona, sondern auch durch die zunehmende Erwärmung der Erde und ihres Klimas. Symptom für diese Krankheit sind Dürre und Überschwemmungen. In unseren Breiten macht sich das in diesen Hochsommertagen im August 2020 bemerkbar in ausgetrockneten Wäldern, Feldern und Landstrichen auf der einen und in Starkregen, Gewitter und Hagelschlag auf der anderen Seite.

Vertrauen auf Gott, heißt es

Ähnlich war es auch schon die Jahre vorher. Wie als Christen mit diesen Herausforderungen umgehen? Handle so, als ob alles von dir abhinge, und vertraue so auf Gott und bete so, als ob alles von Gott abhinge. So heißt es in der geistlichen Tradition. Gottes Gnade baut auf der Natur auf. Menschen müssen das tun, was sie können. Sie müssen menschliche Hilfe annehmen und einander beistehen. Das können und dürfen sie in einem großen Vertrauen auf Gott. Dazu passt die folgende bekannte Geschichte.

Ein frommer Mann, der versuchte nach Gottes Willen zu leben, wohnte in einem Tal auf dem Lande. Eines Tages ging ein starker Regen auf sein Tal nieder und es gab eine Überschwemmung. Der Mann begab sich vom ersten ins zweite Stockwerk, während der Regen weiter fiel. Schließlich kletterte er auf das Dach.

Ein Rettungsboot kam vorbei und bot an, ihn in Sicherheit zu rudern, doch der Mann schickte die Leute fort und sagte: „Ich habe volles Vertrauen auf Gott. Ich bete und glaube und vertraue, dass er für mich sorgen wird. So verließ ihn das Ruderboot. Der Sturm ging weiter, es regnete unaufhörlich, und bald schon stand ihm das Flutwasser bis zum Hals.
Ein zweites Ruderboot kam zu seiner Rettung. Auch das wurde wieder fortgeschickt. „Ich habe Glauben und vertraue auf Gott. Er rettet mich. Ich bete und glaube.“ Es regnete weiter, und das Wasser stieg so hoch, dass der Mann kaum noch durch Mund und Nase atmen konnte.

Ein Hubschrauber flog über ihm und ließ eine Strickleiter zu seiner Rettung hinunter. „Komm rauf, riefen sie, „wir werden dich in Sicherheit bringen.“ „Nein“, erwiderte er mit denselben Worten wie zuvor. „Ich habe Glauben an Gott. Ich bete und glaube und vertraue und ich folge ihm.“ Und er schickte den Hubschrauber fort. Allerdings regnete es trotzdem weiter, das Wasser stieg und stieg, und schließlich ertrank er in den Fluten.

„Ich verstehe das nicht“

Er kam in den Himmel, wo ihm nach einer Weile ein Gespräch mit Gott gewährt wurde. Er trat ein und durfte vor dem Allmächtigen Platz nehmen. Er begann zu fragen: „Ich hatte so großen Glauben an dich. Ich glaubte so vollständig, dass du mich rettest. Ich betete und versuchte deinem Willen zu folgen. Ich verstehe das einfach nicht.“

Da schaute Gott den Mann eine Weile verwundert an und sagte dann: „Ich verstehe das auch nicht! Ich schickte dir doch zwei Ruderboote und einen Hubschrauber.“

Foto: Lupo/pixelio.de

Über den Autor/ die Autorin

Pater Heinz-Willi Rivert SAC

Geboren 1960 in Rheinbach bei Bonn. Katholischer Priester in der Gemeinschaft der Pallottiner, Diplom in Theologie und in Psychologie. Ehemals in der Jugend-, Schul- und Pfarrseelsorge tätig, kurz nach der Wende von 1989 auch für drei Jahre im Bistum Erfurt. Seit 2014 tätig in der Hochschulseelsorge und in der Erwachsenenbildung an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Vallendar bei Koblenz.