Es geht in die Verlängerung:
Leben unter Corona-Bedingungen

Nein, es ist nicht schön, mit Corona zu leben. Corona ist eine Zumutung, für alle, auf unterschiedliche Weise. Die Menschen begehren auf gegen diese Zumutung, ebenfalls auf unterschiedliche Weise. Einige gehen auf die Straße und protestieren. Wogegen genau, das wissen viele nicht so richtig. Aber ihrem Unmut und ihrem Frust wollen sie Luft machen. Einige glauben an Verschwörungstheorien. Böse Mächte haben sich gegen uns verbündet und streben die Weltherrschaft an.

Andere erkennen in dieser Krise eine Chance, dass die Menschen mehr und besser zusammenwachsen, dass die Gesellschaft insgesamt solidarischer wird. Andere wiederum sehen mit Sorge und Angst in die Zukunft. Wie wird das an und mit ihrem Arbeitsplatz? Wie wird das in Schule und Kita? Erste geplante größere Veranstaltungen werden wieder abgesagt, zum Beispiel ist in Köln der erste Weihnachtsmarkt. Manche sehen in dieser Pandemie auch die Strafe der Natur, ja die Strafe Gottes für das räuberische und ausbeuterische Verhalten des Menschen. Mutter Erde schlägt zurück, sagen sie, und Gott straft die Menschen für ihr Verhalten, für ihre Sünden.

Leben in und mit der kranken Welt

Nein, ich will das Leben mit Corona nicht schönreden oder verharmlosen. Die Einschränkungen sind belastend. Wir werden neu überlegen müssen, wie wir in und mit dieser kranken Welt leben können. So schnell werden wir da nicht heraus kommen. Es helfen weder Angst noch Verschwörungstheorien oder Straftheologien weiter. Auch nicht die Anklage oder gar ein Fluchen Gottes. Ja, Menschen leiden unter der scheinbaren Abwesenheit und unter dem Schweigen Gottes, während sich ihr Leben und die Welt auf stürmischer See befinden. Dennoch heißt es im Psalm 121, dass Gott der Hüter seines Volkes nicht schläft und schlummert. Er behütet unser Leben, heißt es da, er, der Himmel und Erde erschaffen hat. Gerade in diesen von Corona geprägten Zeiten bin ich wieder neu dankbar geworden für den christlichen Glauben an einen mitgehenden Gott. Dessen Name ist seit alters her „Jahwe“, „Ich bin da“, „Ich bin mit dir unterwegs“ ist. Am deutlichsten ist das geworden in Jesus Christus, in seinem Tod am Kreuz (Karfreitag), in seinem Hinabsteigen in das Reich des Todes (Karsamstag) und in seiner Auferstehung von der Toten (Ostern). So vertraue ich, dass Gott auch in dieser Zeit mit uns geht. Deshalb brauchen wir nichts schönzureden, müssen aber auch nicht mutlos werden. In auswegloser Situation hat 1944 im Gefängnis der evangelische Pfarrer und berühmte deutsche Theologe Dietrich Bonnhoeffer den Text geschrieben: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“ Dieser Text ist zu einem bekannten Lied geworden, das auch in unser Katholisches Gebet- und Gesangbuch Gotteslob Eingang gefunden hat, GL Nr. 430.

Das vermag Kraft zu geben für das Leben mit Corona. Das vermag Trost zu spenden in so vielen traurigen, trostlosen Situationen und Momenten, in denen wir uns einfach nur noch ausgeliefert und hilflos vorkommen.

Foto: fotoART by Thommy Weiss / pixelio.de

Über den Autor/ die Autorin

Pater Heinz-Willi Rivert SAC

Geboren 1960 in Rheinbach bei Bonn. Katholischer Priester in der Gemeinschaft der Pallottiner, Diplom in Theologie und in Psychologie. Ehemals in der Jugend-, Schul- und Pfarrseelsorge tätig, kurz nach der Wende von 1989 auch für drei Jahre im Bistum Erfurt. Seit 2014 tätig in der Hochschulseelsorge und in der Erwachsenenbildung an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Vallendar bei Koblenz.