Mehr Demokratie wagen: Ein Wort zur Amtseinführung Donald Trumps

Jetzt haben wir ihn, den nach amerikanischem Wahlrecht rechtmäßig gewählten US-Präsidenten Donald Trump. Was für ein Unterschied zu vor acht Jahren, als Barack Obama in sein Amt als Präsident der Vereinigten Staaten eingeführt wurde. Ihn begleiteten damals fast messianische Hoffnungen. Er blieb dahinter zurück. Das war zu erwarten. Jetzt aber ist es anders. Der besonnene Journalist und Terrorismusexperte Elmar Theveßen, stellvertretender Chefredakteur des ZDF, bleibt dabei, in diesem Präsidenten eine Gefahr für sein Land und für die ganze Welt zu sehen. Möge Gott es geben, dass er sich täuscht. Er vermisst in der Antrittsrede Trumps als Präsident Respekt vor seinen Vorgängern, Demut vor der Aufgabe, den Blick für die anderen, Verantwortungsgefühl für die Weltgemeinschaft. Stattdessen nur ‚America first‘. Die Welt muss sich nun mit dem Egotrip dieses Egomanen auseinandersetzen. Das ist ärgerlich, aber es ist so. Hoffentlich bleibt es nur ärgerlich und zeitigt nicht noch schlimmere Konsequenzen.

 

An diesem Wochenende traf sich in Koblenz die Fraktion der Rechten im Europäischen Parlament. Sie sahen im Amtsantritt Trumps ein gutes Vorzeichen. Eine Zeit des Wechsels sei gekommen, hieß es: gestern ein freies Amerika, heute Koblenz und morgen ein neues Europa. 3000 bis 5000 Menschen hatten sich aufgemacht, um dagegen zu demonstrieren: gegen ein braunes und für ein buntes, ein offenes und ein soziales Europa des 21. Jahrhunderts, wie es Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn, ausdrückte. Auf Transparenten und Plakaten war zu lesen: Wer in der Demokratie schläft, kann in der Diktatur aufwachen. Ja, Demokratie, Freiheit, Selbstbestimmung und Solidarität bedürfen der Anstrengung. In seiner Rede vom vergangenen Mittwoch betonte Bundespräsident Gauck, Demokratie sei kein politisches Versandhaus, in dem jeder seine Wünsche befriedigt bekomme. Demokratie bedürfe vielmehr der Mitgestaltung von freien Bürgern, die ihre Verantwortung nicht abgäben an einen starken Mann oder eine starke Frau.

 

Noch nie ist mir als Pallottiner der sperrige Name unserer Gemeinschaft so sympathisch geworden wie in diesen letzten Tagen: Gesellschaft bzw. Vereinigung des KATHOLISCHEN Apostolates. Katholisch nicht im Sinne von römisch-katholisch, sondern im ursprünglichen Sinn des Wortes. Dieses meint: das Ganze betreffend, alle angehend, die Welt umfassend. Katholisch – und nicht Gesellschaft des US-amerikanischen, des französisch- oder deutschnationalen Apostolates. Katholisch in dem Sinne, dass nicht Mauern errichtet werden, sondern Mauern abgebaut werden: Mauern der Feindschaft, des Hasses, der Respektlosigkeit; Mauern, die errichtet werden, damit man in Wohlstand und Ruhe leben kann, allerdings oft auf Kosten der anderen. Nein: Leben nicht auf Kosten eines anderen, sondern nur miteinander. Wehret den Anfängen. ((23.01.17, Bild: pixabay))

 

Über den Autor/ die Autorin

Pater Heinz-Willi Rivert SAC

Geboren 1960 in Rheinbach bei Bonn. Katholischer Priester in der Gemeinschaft der Pallottiner, Diplom in Theologie und in Psychologie. Ehemals in der Jugend-, Schul- und Pfarrseelsorge tätig, kurz nach der Wende von 1989 auch für drei Jahre im Bistum Erfurt. Seit 2014 tätig in der Hochschulseelsorge und in der Erwachsenenbildung an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Vallendar bei Koblenz.

2 Kommentare

  1. Winfried Haubrich 24. Januar 2017 um 12:31 Uhr - Antworten

    Danke für die klären Worte. Danke für die verbindende Sprache. Das schafft ein Framing von Liebe, Toleranz und Reflexion.

  2. Markus Reuber 24. Januar 2017 um 18:49 Uhr - Antworten

    Ja, Pater Rivert Sie haben Recht. Oder darf ich als ehemaliger Mitbruder, noch sagen: Heinz-Willi, du hast Recht? Leider haben zurzeit zu viele Oberwasser, die das Ego in den Vordergrund stellen, Ressentiments bedienen, Sündenböcke für soziale Ungerechtigkeiten ausmachen, statt Lösungen anzubieten, gezielt Provokationen verbreiten und sich in keinster Weise dafür schämen. Sie haben ja das beste Vorbild für solch ein Verhalten: Den neuen amerikanischen Präsidenten. Demokratie ist oft mühsam und anstrengend, Entscheidungsprozesse können lange dauern, aber sie ermöglicht Mitsprache und Partizipation. Sie ist mir darum allemal lieber als die Trumps, Erdogans, Le Pens, Höckes, Petrys, Putins, die sich zwar Demokraten nennen, aber alles Autokraten sind.
    Hoffentlich behalten wenigstens die religiösen Gemeinschaften, Orden und eben auch die Pallottiner den weltweiten Blick und forcieren den Wahlspruch: „Die Weltgemeinschaft zuerst“ und nicht irgendeine Nation oder Volksgruppe oder was auch immer!

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