Vom Sinn und Unsinn moderner Medien

Die Frage stellt sich: was ist der Sinn und die Aufgabe von Medien heute?

 

Als Form der Kommunikation sind Medien sicher von enormer Bedeutung. Dass gerade in unserer Zeit und Gesellschaft Kommunikation allerdings nicht gelingt, macht mich sehr nachdenklich. Auf moderne Medien zu schimpfen, ist sicher nicht der richtige Ansatz. Sie allerdings zu hinterfragen – wo endet ihr Sinn (ihr Nutzen) und wo geht es in den Unsinn über – ist, glaub ich, mehr als berechtigt. Sicher gibt es viele Menschen, die die modernen Medien nutzen, um mit Anderen in Kontakt zu kommen, um der Welt und/oder der Menschheit zu dienen oder um ganz einfach Zeit und Freizeit zu gestalten. Jetzt anzuführen, wie viele Menschen heute unter einer Mediensucht leiden, für wie viele Menschen Medien oft zum Stress werden, immer verfügbar zu sein … wäre sicher zu pauschal. Doch gerade wir Deutschen, die wir oft so kritisch sind, wenn es um persönliche Daten und Freiheit geht; gerade bei uns überrascht es mich, wie unkritisch doch viele mit diesen modernen Medien umgehen. Ich habe oft den Eindruck, dass ihnen die Komplexität und auch die Folgen nicht bewusst sind. Selbst ein Telefon hat heutzutage so viele Funktionen – die oftmals kaum genutzt werden –, und andererseits dem Besitzer oft gar nicht bewusst sind, geschweige denn von neueren Kommunikationsmitteln und Vernetzungen. Nicht alles, was modern ist, ist immer auch sinnvoll.

 

Positiv überrascht war ich, als die Bundesregierung z.B. nach dem Atomunglück unsere deutsche Energie- und Atompolitik geändert hat, bzw. wie schnell der Ausstieg aus der Atomenergie zumindest beschlossen war. Man hat gemerkt, dass man die Folgen dieser modernen Technik letztlich doch nicht in der Hand hat und dass sie nicht berechenbar ist. Die Frage nach Sinn und Unsinn aufgrund der Folgen hat hier zu einem Ergebnis geführt, das mich nachdenklich stimmt. Müsste nicht auch in den Medien aufgrund der absehbaren Folgen zumindest kritisch nachgefragt oder manche Medien in ihrem Sinn hinterfragt werden? Oder muss – wie bei uns in Deutschland leider immer – erst ein größeres Unglück passieren und dann schreien alle laut nach Veränderung? Ich denke, manche Entwicklungen sind abzusehen, ohne ein großer Prophet zu sein. Man muss auch nicht Steinzeitmensch bezüglich der modernen Medien sein. Ich allerdings fühle mich wohl, wenn ich merke, dass Medien mir letztlich helfen und nicht umgekehrt: dass sie nicht Herr über mich und meine Zeit sind.

 

Wo sind Medien sinnvoll und wo spüren wir, dass sie uns als Menschen und unser Leben eigentlich auf eine Stufe zurückführen, die uns zwar unterhält, aber – wie ich meine – auch verdummt? Über den Sinn und Unsinn moderner Medien nachzudenken, lohnt sich für jeden einzelnen. Aber ich glaube auch, es ist angebracht, Alternativen aufzuzeigen und zu leben, auch wenn sie vordergründig zunächst als unmodern hingestellt werden. Die Frage ist nicht, modern oder unmodern, sondern was ist sinnvoll und was ist sinnlos? ((17.10.16))

Über den Autor/ die Autorin

Pater Hans-Peter Becker SAC

Pater Hans-Peter Becker SAC (geb. 1960 in Weiher) trat 1983 der Gemeinschaft der Pallottiner bei. 2005 bis 2007 war er Provinzial der Süddeutschen Pallottiner-Provinz und nach der Zusammenführung von Nordprovinz, Südprovinz und der Regio Österreich von 2007 bis 2013 Provinzial der Herz-Jesu-Provinz. Seither ist er Rektor des pallottinischen Bildungshauses St. Josef Hersberg – und nach wie vor wirkt und arbeitet er ohne Computer (Anfragen leitet die Redaktion aber an ihn weiter).

2016-12-06T14:16:17+00:00 12. Dezember 2016|Kategorien: Christ-Sein im Alltag, Mit den & in den Medien|Autoren: Pater Hans-Peter Becker SAC|3 Kommentare

3 Kommentare

  1. Sr. Anna Mirijam Kaschner 12. Dezember 2016 um 21:22 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter P. Becker, herzlichen Dank für diesen Impuls.
    Ich denke, eine der wichtigsten Aufgaben der Medien heute ist es, uns Orientierung zu bieten im Vielerlei der Stimmen und Meinungen, der Werte und Unwerte. Es ist Aufgabe der Medien, möglichst objektiv zu berichten und die Integration in die Gesellschaft zu fördern. Wir stehen aber vor der besonderen Herausforderung, aufgrund des Wandels der Kommunikation (ich nenne hier stellvertretend mal die Social Media), dass es die klassischen „Gatekeeper“ nicht mehr gibt, bzw. die Informationen nicht mehr durch professionelle Journalisten gefiltert zu uns kommen, sondern direkt (das ist zunächst vielleicht auch ein Vortreil), aber gerade die Sozialen Medien, die nicht mehr menschliche Gatekeeper nutzen, sondern technische Funktionen wie Algorithmen können uns, wenn wir nicht aufpassen, in eine Filterblase führen, wo wir nur noch die Nachrichten angezeigt bekommen, die unserer Überzeugung entsprechen…. und das ist fatal. Umso wichtiger finde ich, dass wir Ordensleute uns in den Sozialen Medien zu Wort melden und uns äussern. Immer wieder und intensiver, denn auf diese Weise kann es uns vielleicht gelingen, eine „andere Stimme“ zum Klingen zu bringen!!

  2. P. Hans-Peter Becker 14. Dezember 2016 um 14:16 Uhr - Antworten

    Sehr geehrte Schwester Anna-Mirijam,
    Ihren Beitrag habe ich mit großem Interesse gelesen und möchte Ihnen gerne zustimmen. Nachdem ja das Wort des Jahres „postfaktisch“ heisst, entspricht das ja genau Ihrem und meinem Anliegen. Auch ich glaube, dass sich die Kirche einmischen muss, wenn es um den Menschen geht, um Wahrheit, um gelungenes Leben. Als Theologinnen reden wir ja gerne von den Zeichen der Zeit, die es zu erkennen gilt und dass wir darauf antworten. Ausserdem halte ich sehr viel davon, was die Unterscheidung der Geister meint, denn nicht immer entspricht der Zeitgeist dem Geist Gottes – sprich dem Heiligen Geist. Postfaktisch meint ja, dass nicht mehr die Fakten, die Realität und die objektive Wahrheit gefragt sind, sondern vielmehr, wie ich mir etwas subjektiv zurecht reime. Das entspricht leider oft nicht einer objektiven Wahrheit; mit anderen Worten, ist dies eine Lüge. Ich halte es für angebracht, dass unsere Kirche und somit auch wir Ordensleute hier auf den Plan treten, bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit. Dass dabei kritisch auch die modernen Medien zu hinterfragen sind, die gerade diese postfaktischen Informationen, so wie Wut und Gewalt ungehindert verbreiten, steht sicher außer Frage. Denn Lüge, Gewalt und Wut sind keiner der Namen Gottes.
    So wünsche ich uns allen, dass wir in guter Kommunikation bleiben, in Respekt und Achtung auch andere Meinungen zur Kenntnis nehmen, uns um die Wahrheit mühen und so dem Menschen zu einem gelungenen Leben, zu Achtung und Würde verhelfen. Das wären für mich soziale Medien.

  3. Sr. Anna Mirijam Kaschner 24. Januar 2017 um 16:20 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter P. Becker,
    vielen Dank für Ihre Antwort. Ganz aktuell dazu kommt die Nachricht von einer neuen „Wortschöpfung“ mal wieder aus den USA: „alternativ facts“ – alternative Tatsachen.
    Ja, ich denke Sie haben vollkommen Recht. Wir Ordensleute, wir Christen, wir als Kirche müssen uns einmischen, müssen aktiv gegen diesen Ungeist vorgehen, wo wir ihn entdecken. Vielleicht wäre es eine Aufgabe, uns als Ordenschristen in dieser Hinsicht noch mehr zu vernetzten – auch gerade mithilfe der sozialen Medien – um mit einer Stimme zu sprechen. Denn wir sind viele – im guten Sinne.
    Danke, dass Sie dabei sind!

Hinterlassen Sie einen Kommentar