Maria 2.0 Gleichberechtigung. Amen!

Maria 2.0 - Gleichberechtigung. Amen!

Starke Frauen hat es sowohl im Juden- als auch im Christentum schon immer gegeben, und es wird sie auch in Zukunft geben: Frauen, die ihre jeweilige Berufung erkennen und leben, die für ihren Glauben einstehen und die im Vertrauen auf Gott handeln. Die Bibel berichtet von Frauen, die selbstlos, aber durchaus aktiv für Wahrheit und Gerechtigkeit eintraten: Namen wie Lydia, Ester, Maria von Nazareth oder Maria Magdalena stehen für Mut und Selbstbewusstsein – und sie lassen sich nicht einfach auf die passive Rolle einer Eva in der Schöpfungsgeschichte reduzieren. Auch im Mittelalter und der Zeit danach traten starke Frauen auf den Plan, die im Sinne des christlichen Glaubens zu Wegbereiterinnen einer besseren Gesellschaft wurden. Viele nahmen Einfluss auf Politik und Kirche, andere traten durch karitatives Handeln hervor. Sie gingen in die Geschichte ein und ermutigen auch heute Frauen, für ihre Rechte in Kirche und Gesellschaft zu kämpfen und Reformen einzufordern, die längst überfällig sind. Die kfd Münster hat mit ihrer Initiative Maria 2.0 den Stein ins Rollen gebracht. Landesweit fanden bis heute viele Gottesdienste, Gebete, Kundgebungen und Gespräche dazu statt. Im September gab es eine kfd-Projektwoche dazu. Ein purpurnes, schlichtes Kreuz steht für die Initiative der kfd. Es ist Symbol für die Vision von einer Kirche, in der Männer und Frauen auf Augenhöhe das Wort Gottes verkünden, bezeugen und leben.

Maria, die Mutter Jesu, war in ihrer Zeit vor allem – eine mutige und sehr selbstbestimmte Frau. Sie gehörte nicht den Lehrenden, den Theoretikern und Theologen allein, vielmehr nahmen die Armen sie in Anspruch, die Ungebildeten und Bettler, die einfachen Leute, das fahrende Volk, die Landlosen. Die Heldinnen und Helden der Erzählungen, die sich rund um Maria ranken, sind Außenseiterinnen und Ausgestoßene. Maria hat Gewaltiges bewirkt. Sie hat ein Zeichen gesetzt. Sie hat davon erzählt, dass Mächtige von Thronen verdrängt und Erniedrigte erhöht werden, Hungernde sollten belohnt und Reiche leer weggeschickt werden. Ihre Geschichte verbreitete sich vor allem bei denen, die darauf hofften, dass es wahr werden kann: die Hungrigen werden satt, die Willkür der Mächtigen hat ein Ende. Und mit Jesus und ihrem Vertrauen auf Gott, mit ihrem JA zu ihrer Berufung, brachte sie Hoffnung und Liebe in diese Welt.

Darum wird ganz konkret gestritten: Frauen finden sich immer weniger damit ab, dass sie zwar das Leben in den Gemeinden maßgeblich mittragen, aber von wichtigen Positionen bleiben sie ausgeschlossen, besonders von den sakramentalen Ämtern: von der Diakonenweihe und von der Priesterweihe. Die Frage danach ist ja überhaupt nicht neu. Die Synode der deutschen Bistümer hat das Anliegen schon 1975 in Rom vorgetragen. Damals gab es gar keine Antwort. Papst Johannes Paul II. hat den Ausschluss der Frauen fast 20 Jahre später dann sehr definitiv erklärt. Und zwar mit einem Argument, das Papst Benedikt XVI. dann noch einmal bekräftigte: Die Kirche habe kein Recht, Frauen zu weihen. – Und warum? Weil Jesus Männer zu Aposteln berufen habe und es seitdem eine eindeutige Tradition der Kirche gebe. Darauf berufen sich bis heute die Vertreter des Status quo. Die Frage kommt aber nicht zur Ruhe – und das ist auch gut so.

Es gab in den über 40 Jahren eine breite theologische Diskussion mit dem Ergebnis, dass es biblisch keine Gründe gegen Frauen in kirchlich-sakramentalen Ämtern gibt. Jesus hat Männer zu Aposteln berufen, weil er mit ihnen die zwölf Stammväter Israels repräsentieren wollte, um zu zeigen: Gott sammelt das neue Gottesvolk. Die Berufung von Männern zu Aposteln ist aus dem sozialen und kulturellen Umfeld der damaligen Zeit begründet. Nicht zu vergessen sind aber Maria Magdalena oder die Frauen, die in den paulinischen Gemeinden Leitungspositionen inne hatten. Überhaupt sind die sakramentalen Ämter, die wir jetzt haben, so gar nicht in der Bibel zu finden, weil Jesus und die ersten Christen an das Reich Gottes, aber nicht an eine verfasste Kirche gedacht haben. Jesus hat ja nicht gesagt: Kehrt um und glaubt an die katholische Kirche, sondern kehrt um und glaubt an das Reich Gottes.

Die Kirche hat deshalb ihre Ämter immer nach den jeweiligen Erfordernissen der Zeit und des Ortes ausgestaltet, wie sie gebraucht werden, um das Evangelium zu verkünden. Ich finde es deshalb sehr seltsam, wenn in Rom nach über vier Jahrzehnten der Diskussion und nach allem, was klar zutage liegt, eine Kommission eingesetzt werden muss, um das zu erforschen. Und jetzt nach der Bischofssynode soll es noch eine zweite Kommission geben. Da frage ich mich: was haben Theologen und Theologinnen denn 40 Jahre lang gemacht? Ich wüsste gerne, was diese Kommissionen tun!?

Oder wenn vereinzelte Bischöfe sagen, es müssten erst geschichtliche Anhaltspunkte für die Weihe von Frauen gefunden werden und allzu einfache Antworten auf komplizierte Fragen könne es nicht geben – was soll man dazu noch sagen? Außer: Wenn eine Antwort allzu einfach ist, dann ist es doch die, dass Frauen pauschal von allen Ämtern auszuschließen seien. Das kann nicht der Geist Gottes sein, der so redet …

Überhaupt: Warum werden die Frauen mit ihren Anliegen so abgeblockt? Warum erkennt man nicht in ihrer jahrzehntelangen Geduld und in ihrer Einmütigkeit, vor allem aber in ihrer unbegreiflichen Liebe zur Kirche ein Zeichen dafür, dass Gott hier etwas will? Überhaupt: Warum müssen Männer den Frauen ihren Platz in der Kirche zuweisen? Warum können sie nicht einfach wahrnehmen, wo die Frauen sich selber sehen? Warum kann man die Frauen nicht fragen: Wo seht Ihr euren Platz in der Kirche? Wo erkennt Ihr eure Berufung? Wie können wir Euch dabei helfen? Warum misstraut die Kirche dem, was ganz deutlich neu werden will?

Ich freue mich, dass es bei den Frauen in der kfd – und nicht nur bei ihnen – diesen Mut für das Neue gibt. Wenn katholischen Frauen heutzutage der Kragen platzt, dann haben sie dafür einen guten Grund. Und wenn sie das Maria 2.0 nennen, dann denke ich: Ja, sie haben Maria dabei auf ihrer Seite. Denn sie selbst hat mit ihrem JA Raum geschaffen für den Gott, der die Dinge nicht beim Alten lässt. Sie hat mit ihrem JA Neues möglich gemacht. Maria wird den Frauen beistehen, die heute die Kirche erneuern wollen. Da bin ich mir ziemlich sicher.

Als Pallottiner wünsche ich mir mit vielen Frauen eine Kirche, in der wir geschwisterlich und gleichberechtigt Gottes Wort lebendig werden lassen. Gottes guter Geist, der alles neu machen will, möge uns auf dem Weg dahin leiten und begleiten.

Bilder: Adobe Stock TeamDaf & t0m15, kfd

Über den Autor/ die Autorin

Pater Siegfried Modenbach SAC

  • Jahrgang 1962
  • Studium der Theologie in Fulda und Rom
  • Studium der Sozialpädagogik in Fulda
  • 1990 Noviziat der Pallottiner
  • 1992-2002 Leiter des Jugendhofes in Olpe
  • 1995 Priesterweihe
  • 2002-2007 Regens in Vallendar
  • 2007-2019 Leiter des Katholischen Forum in Dortmund
  • seit 2010 Vorstandsmitglied der Aidshilfe Dortmund
  • Seit 2019 Leitung des Geistlichen Zentrums Kohlhagen