Im Schutz des Glaubens

Der Gottesdienstort einer Flüchtlingsunterkunft der Malteser an der Karl-Marx-Straße im Herzen Berlin-Neuköllns war ungewöhnlich. Etwa 70 Menschen waren unter dem Dach auf der vierten Etage eines ehemaligen C&A Kaufhauses zum Gebet versammelt. Hier, quasi im Obergemach,  haben wir zusammen mit dem Erzbischof und Geflüchteten, mit Mitgliedern des Malteserordens, Mitarbeiter/innen und Gästen aus der Nachbarschaft einen Segnungsgottesdienst gefeiert. Ganz ohne Presse und ohne Rummel.

In der Unterkunft wohnen „vorrübergehend“ (- ein weiter Begriff, der sich über Monate hinzieht -) 500 Geflüchtete.  Beim Gang durch die Etagen war vorweihnachtliche Spannung spürbar. Kinder rannten aufgeregt und gut gelaunt hin und her. Ein Büffet wurde mit leckeren, einfachen Speisen aufgebaut. Es war ein besonderer Tag. Nicht allein, weil Erzbischof Koch die Einrichtung besuchte. Es gab weitere Anlässe. Es war der Tag der Menschenrechte. Es war Tag, an dem das Anliegen der Malteser, ein besonderes Marienbild einzuweihen, entsprochen wurde. Die Ikone der Muttergottes von Philermos. Sie passt in die Flüchlingsunterkunft, denn die Ikone selbst hat durch die Jahrhunderte eine Vertreibungsgeschichte. Das Gnadenbild begleitet die Malteser seit Gründung des Ordens im Mittelalter. Es hängt als Kopie in den Einrichtungen.

Ich bin tief beeindruckt vom Marienbild.  Auffällig ist der rote Umhang, der Maria ganz ummantelt. In der Kunst wird Blau meist für das Gewand Marias gewählt. Blau steht für Himmel, symbolisch für ihr bedingungsloses „Ja“. Es gehört Mut dazu, den Auftrag Gottes anzunehmen, ohne zu wissen, was das konkret bedeutet. Gottvertrauen. Rot steht für das Gewand Christi. Im Bild sieht es so aus, als hätte Maria gleich zwei Mäntel. Einen roten Umgang mit blauem Innenfutter. Mit der Optik und in der Farbdeutung steht sie gleich doppelt unter dem Schutz Gottes. Maria trägt zusätzlich einen auffällig, diamantfunkelnden breiten Halsschmuck.  Ein teures Schmuckstück. Ein echter Hingucker. Obwohl ihr Gesichtsausdruck eher etwas traurig wirkt, hebt dieses Halsband die Stimmung im Ausdruck. Nun, so ein reiches Accessoire passt eigentlich nicht ins Bild einer bescheidenen Jungfrau.  Doch, sagt Erzbischof Koch. Für Gott ist jeder Mensch kostbar. Ihre Schönheit bricht auf, als sie – von konkreter Bedrängnis umgeben – im Glauben Schutz, Hoffnung und Zuversicht findet. Es ist Marias Gottvertrauen, das allen Charme hervor bringt. „Du bist gesegnet unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes Jesu.“ Sie, die einfache Frau aus dem Volk, ist wertvolles Gottesgeschenk. Die Segnungsfeier endet mit einem Segen. Für alle. Auch Erzbischof Koch empfängt persönlich einen stärkenden Segen durch den Leiter der Einrichtung. Wer sich der Mäntel bewusst wird, die wir uns im Glauben umlegen können, steht unter besonderem Schutz. Doppelt hält einfach besser.  ((15.12.16, Bild:pixabay))

Über den Autor/ die Autorin

Lissy Eichert

Pastoralreferentin Lissy Eichert wirkt seit Jahren im Projekt „Kirche im Brennpunkt“ der Pfarrei St. Christophorus in Berlin-Neukölln. „Sozial – spirituell – kulturell“ ist das Ziel, mit dem sich das Team der Pfarrei engagiert. Ihr Repertoire reicht vom wöchentlichen „Nachcafé“ für Arme und Obdachlose Menschen bis zu regelmäßigen Auftritten beim „Wort zum Sonntag“. Das Kürzel „UAC“ zeigt Ihre Zugehörigkeit zur „Unio“, einer von Vinzenz Pallotti gegründeten Gemeinschaftaus Geistlichen und „Laien“.

Ein Kommentar

  1. T. Norman 9. Januar 2017 um 19:06 Uhr - Antworten

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