Halt dich fest

Nichts ist fix, alles könnte auch anders sein, es gibt mehr Fragen als Antworten. Diese so empfundene Wirklichkeit unseres Lebens macht zunehmend Stress.

Ein von Veränderungen und Unsicherheiten geprägtes gesellschaftliches, kirchliches und privates Leben schreit nach Stabilität und Verlässlichkeit.

Genau dieses Bedürfnis machen sich Gruppierungen und Bewegungen im politischen und kirchlichen Bereich zu nutze und binden Menschen geschickt an sich.

Doch genau gesehen geht es dort nicht um die innere Stärkung oder die Befähigung, verantwortet in einer pluralen Gesellschaft sein Leben zu gestalten. Es geht eher um eine Ideologie, die in Abhängigkeit und Unmündigkeit führen kann.

Menschen, die sich orientierungslos und abgehängt fühlen, sind eine leichte Beute extremer Gruppen. Da stehen Menschen auf, die angeben, genau zu wissen, was du brauchst, was dem Land hilft. Menschen, die mit den Ängsten der anderen sehr geschickt spielen.

In den letzten Monaten verspürte auch ich stärker das Bedürfnis nach nachhaltigen Lösungen, verlässlichen Lebensbedingungen. Ich musste erfahren, dass keine Planung und kein Konzept lange halten. Privat und beruflich war vieles im Fluss.

Es gab Tage, da verspürte ich die Lust, die Segel zu streichen und neue Ufer zu betreten.

Gerade in den Stunden der Zweifel, der Fluchtgedanken und der Fragen kam mir im Gebet ein Bild entgegen:

Eine unsichtbare Hand streckte sich mir entgegen. Ich vernahm die Einladung: „Halt dich fest“. Dieses Bild gab mir die nötige Kraft und spürbaren Halt.

Ich spürte, da ist einer, der mir die Standfestigkeit in den rasanten Bewegungen des Lebens gibt. ER ist die ruhende Mitte im sich immer schneller drehenden Lebenskarussell.

In der Bibel lesen wir im Psalm 146: „Verlasst euch nicht auf Fürsten, auf Menschen, bei denen es doch keine Hilfe gibt. Wohl dem, dessen Halt der Gott Jakobs ist und der seine Hoffnung auf den Herrn, seinen Gott, setzt. Recht verschafft er den Unterdrückten, den Hungernden gibt er Brot; der Herr befreit die Gefangenen.“

Diese Verse bete ich gerne angesichts der eigenen Zweifel und der Macht der Meinungsfürsten unserer Tage und der populistischen Stimmen, die versuchen das Herz der Menschen zu verwirren.

Ich wünsche Ihnen einen sonnigen Herbst mit der Entdeckung, dass Gott den Menschen seine Hand entgegenstreckt und uns hält.

Über den Autor/ die Autorin

Pater Michael Pfenning SAC

Pater Michael Pfenning SAC (geb. 1959 in Spaichingen) trat nach einer Krankenpfleger-Ausbildung 1959 der Gemeinschaft der Pallottiner bei und studierte Theologie. Seit 2013 ist er als Vizeprovinzial der Pallottiner in Friedberg ansässig. Weitere Informationen auf der Website der Pallottiner.

2017-10-12T16:37:11+00:00 12. Oktober 2017|Kategorien: Christ-Sein im Alltag, Glaube und Heilung, Gottvertrauen|Autoren: Pater Michael Pfenning SAC|0 Kommentare

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