Die Frage nach Köln: Freiheit oder Sicherheit?

Gestern kam eine Jugendliche unseres Kinderdorfes, nennen wir sie mal Cindy, und sagte aufgebracht zu mir: „Die müssen sich jetzt endlich mal entscheiden, was sie wollen!“

Schnell wurde klar, dass sie vom Polizeieinsatz in der Kölner Silvesternacht sprach und von der daran geäußerten Kritik. Unser Freizeitpädagoge stand daneben und sofort waren wir drei in ein lebhaftes Gespräch vertieft über den Irrsinn, der sich hier vor unseren Augen abspielt.

Nun sind die, die heute „Rassismus“ schreien, natürlich nicht dieselben, die vor einem Jahr nach dem starken Staat geschrien haben. Trotzdem glaube ich, dass Cindy recht hat, wenn sie meint, dass es um eine Entscheidung geht. Wir sind es, die entscheiden müssen, was wir wollen, unsere gesamte Gesellschaft. Und leider geht es nicht um eine einfache entweder-oder-Frage, sondern um ziemlich komplexe Interessen.

Wir wollen in Sicherheit leben, ohne Angst vor Übergriffen und Diebstählen – und gleichzeitig in Freiheit, ohne Überwachung und totale Kontrolle.

Wir wollen uns in Deutschland zu Hause fühlen, wozu auch unsere kulturelle Identität gehört – und gleichzeitig eine weltoffene Gesellschaft sein, die im politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Austausch mit anderen Kulturen steht.

Wir wollen unseren christlich-humanistischen Werten entsprechend denen helfen, die unsere Hilfe brauchen – und gleichzeitig unserer Vernunft entsprechend Lösungen suchen, die auch dauerhaft funktionieren und uns nicht überfordern.

Alles berechtigte Wünsche, aber jedes Kind lernt, dass man nicht alles zugleich haben kann. Cindy hat es auf den Punkt gebracht: „Die müssen sich jetzt endlich mal entscheiden!“ Also heißt das wohl auf die Silvesternacht bezogen:

Wollen wir Diskriminierung auf jeden Fall verhindern, auch wenn das heißt, dass Politik und Medien gezielt tagelang verschweigen, dass Hunderte von Tätern aus Nordafrika kamen? Oder wollen wir einen Staat, der uns Sicherheit verschafft und das Gewaltmonopol behält, auch wenn dafür Menschen präventiv in Gruppen sortiert werden, nach Aussehen und Verhalten? 2015 haben wir das eine ausprobiert, 2016 das andere. Mein Eindruck ist, dass die meisten Menschen die zweite Lösung vorziehen.

Außer der Sicherheit ist bei der zweiten Variante übrigens ein schöner Nebeneffekt, dass man dann klarer sehen kann, wer die „Nafris“ eigentlich sind. Es geht eben nicht um ALLE Flüchtlinge/Asylbewerber/Ausländer/Afrikaner… Die Polizei hatte vielmehr eine ganz bestimmte Gruppe junger, aggressiver Intensivtäter im Blick. Diesen klaren Blick wünsche ich uns und unseren Politikern auch. ((05.01.16, bild: pixabay))

Über den Autor/ die Autorin

Sr. Barbara-Johanna Offermann

Ich heiße Sr. Barbara-Johanna, bin Dominikanerin von Bethanien, 47 Jahre alt und lebe am Niederrhein, in unserem Kinderdorf im kleinen Ort Schwalmtal. Ich engagiere mich im Kinderdorf, in der Pfarrei und in der Dominikanischen Familie, aber meine Hauptaufgabe ist im Moment die Öffentlichkeitsarbeit. Die Dominikanerinnen von Bethanien sind eine kleine Gemeinschaft im großen Dominikanerorden.

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