Gedanken zum Markusevangelium von Pater Jörg Müller

Was katholisch ist, kostet nix?

Am 29. Mai 2018 ist Zahltag, also so ungefähr, nicht wörtlich. Da verspricht Jesus seinen Jüngern einen großzügigen Lohn für ihre irdische Tätigkeit. (Mk 10,28-31) Denn sie fragen ihn danach.

Ist das jetzt zu materiell orientiert oder ist das okay? Stellen Sie sich vor, heute würde ein Priester sie fragen, was denn für ihn herausspringe, wenn er die Botschaft Gottes verkündet und Sakramente spendet.

Ich bin Priester und Psychotherapeut. Und da gibt es Leute, die doch tatsächlich den mir zustehenden Lohn nicht zahlen wollen mit der Bemerkung: Sie sind doch Priester. Sie werden doch von der Kirche bezahlt.
Nein, werde ich nicht. Wir Ordensleute müssen unseren Lebensunterhalt selber verdienen. Aber es hat sich scheinbar die Meinung etabliert: Was katholisch ist, kostet nix. Und so malochen viele Christen für ein „Vergelts Gott“, wo sie eigentlich ein kleines Honorar bekommen sollten. Zu oft höre ich dieses nette bayerische Wort und denke: Naja, einen Zehner oder Zwanziger könnte ich jetzt gut gebrauchen, zumal wir permanent von Armen angebettelt werden, denen ich gern etwas geben würde….

Jesus hat einen anderen, besseren Vorschlag: Die Lohnauszahlung erfolgt etwas später, nämlich nach diesem „Vergelt’s Gott“-Leben. Und das nicht zu knapp. Das sind doch mal gute Infos.

Ich hab mich gleich hingesetzt und diese Botschaft verdichtet:

Ein Christ kehrt heim als Missionar
und mit ihm auch ein Fernsehstar.
Als beide dann das Schiff verlassen,
da feierten die Menschenmassen
begeistert diesen Fernsehstar.
„Gott“, murmelt da der Missionar,
„der war nur kurz weg von zu Haus
und kriegt hier tosenden Applaus.
Bekomm ich, der ein Leben lang
ein Missionar war, kein‘ Empfang?“
Da flüstert Gott ihm zu und meint:
„Du bist noch nicht zu Haus, mein Freund.“

Über den Autor/ die Autorin

Pater Dr. Jörg Müller SAC

Pater Dr. Jörg Müller SAC stammt von Bernkastel-Kues an der Mosel (geb 1943). Er durchlitt die Schulzeit, ist zweimal sitzengeblieben, und hat sich dann in den Studien der Theologie , Philosophie und Pädagogik (Trier, Innsbruck), Psychologie und Pathologie (Salzburg) davon erholt. Er war Lehrer an verschiedenen Schulen in Trier, Salzburg, Tamsweg und Saarburg, dann Psychotherapeut mit eigener Praxis, bis ihn der Frust packte und er in Tunesien eine T-Shirt-Fabrik baute. Vom Partner betrogen,  kehrte er zurück nach Deutschland und trat in die Gemeinschaft der Pallottiner  ein. Das war 1989 am Tag des Mauerfalls. Im Pallotti Haus Freising gründete er die Heilende Gemeinschaft, eine stationäre, therapeutische Einrichtung für Menschen in seelischer Not. Inzwischen hat er über 60 Bücher geschrieben und 4 Lied-Cassetten herausgebracht; er ist unter anderem auch als Kabarettist  unterwegs.

2018-01-26T14:10:31+00:00 26. Januar 2018|Kategorien: Christ-Sein im Alltag, Christ-Sein im Alltag|0 Kommentare

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