Klein, aber wichtig: Der Organspendeausweis

Er ist nur 8 x 5 cm groß, aber so wichtig. Außer den Namen und die Adresse anzugeben, hat man nur ein Kreuzchen zu machen. Neben der Zustimmung zur Organspende kann man dieser auch widersprechen. Dies wird selten genannt. In den öffentlichen Diskussionen hört man Menschen davon reden, dass sie den Organspendeausweis (OSA) zerrissen hätten, weil sie gegen Organspende seien.

Dieses Recht hat jeder, doch im Falle ihres Hirntodes werden die Hinterbliebenen gefragt, ob ihnen der Wille des Hirntoten bekannt ist. Wenn ihnen diese Haltung nicht bekannt ist, sollen die Hinterbliebenen stellvertretend die Entscheidung fällen. Eine Organentnahme erfolgt dann nur, wenn die Entscheidung der Hinterbliebenen hierzu einstimmig ist. Hierbei kann es zu üblen Auseinandersetzungen kommen. Ein ausgefüllter OSA hätte dies vermieden. Hinzu kommt, dass bei über 90% der zum Hirntod führenden Ursachen ein plötzliches Ereignis ist, das die Menschen ohne Vorwarnung aus ihrem aktiven Leben reißt und ihnen binnen Sekundenbruchteilen bis Minuten das Bewusstsein raubt. Die Hirnschädigung ist so stark, dass die Menschen nicht mehr zu sich kommen. Trotz aller ärztlicher Bemühungen um Genesung wird oft binnen einer Woche der Hirntod festgestellt. In diese Situation hinein wird ohne ausgefüllten OSA den Hinterbliebenen die Frage um Organspende gestellt.

Um diese Situationen zu vermeiden, wurde im Herbst 2012 das Tansplantationsgesetz dahingehend geändert, dass jeder ab dem vollendetem 16. Lebensjahr sich zur Frage der Organspende entscheiden und diese Entscheidung schriftlich festhalten soll, z.B. auf einem OSA. Nach oben gibt es keine Altersgrenze. In Deutschland war die älteste Organspenderin 92 Jahre alt, weltweit sogar 98 Jahre alt. Es gibt also als Erwachsener keinen Grund, keinen OSA auszufüllen. Alle Gründe sprechen deutlich für das Ausfüllen dieses OSA, ob mit Ja oder Nein.  ((03.01.16; Bild: pixabay))

Über den Autor/ die Autorin

Pater Klaus Schäfer SAC

Pallottiner (www.pallottiner.org ) Pater Klaus Schäfer SAC war von 1999 bis 2014 Klinikseelsorger in Karlsruhe. Dort machte er sich mit seinem Einsatz für Eltern nach Tot- und Fehlgeburt bundesweit einen Namen. Seit 2014 bemüht er sich um eine sachlich korrekte Aufklärung zu Hirntod und Organspende. Hierzu schuf er im Januar 2014 die Internetseite www.organspende-wiki.de und veröffentlichte zahlreiche Bücher und Artikel.