G 7 - die sieben Gaben des hl. Geistes

G 7 - Pfingsten 2017 | Gedanken von Pallottinerpater Heinz-Willi Rivert SAC

Der G7-Gipfel in Taormina auf Sizilien am 26./27. Mai diesen Jahres ist grandios gescheitert. Ob Klima, Handel, Flüchtlinge – in fast allen Punkten war man sich uneinig. Immer wieder stand es 6:1. Die neue amerikanische Regierung ist offenbar nicht dazu bereit oder in der Lage, sich für die Welt jenseits ihrer eigenen Grenzen zu interessieren. Man hatte Taormina bewusst als Tagungsort ausgewählt, um möglichst nah am Mittelmeer zu sein, das immer wieder für Menschen auf der Flucht zum Grab wird, und wo einem die Flüchtlingsthematik und –dramatik buchstäblich auf die Pelle rückt. Ein Desaster war dieser Gipfel auch für die Hungernden, vor allem in Afrika. Besonders betroffen sind Jemen, Somalia, Südsudan und Nigeria. Die G7, die Gruppe der sieben bedeutendsten Industrienationen der westlichen Welt, war und ist sicher auch Interessenvertretung in eigener Sache. Dennoch konnte man bis jetzt wenigstens Hoffnung haben, dass die Interessen der Anderen und das gemeinsame Überleben auf und mit dieser Erde nicht allzu sehr aus dem Blick geraten würden.

G7 – das mag nicht nur für die Gruppe dieser Länder stehen, sondern auch für die 7 Gaben des Heiligen Geistes, um die Christen an Pfingsten besonders beten. Zufall oder nicht, in der christlich-kirchlichen Tradition spielt die Zahl 7 immer wieder eine Rolle, wenn es ums Leben geht, und darum, Leben zu erhalten oder heilig zu halten. In einem 7-Tage-Schema wird von der Erschaffung der Welt und allen Lebens erzählt. Man kennt 7 Tugenden, die helfen sollen, Leben zu erhalten und zu gestalten; man kennt die 7 Sakramente, um das Leben mit dem Heiligen, mit Gott, in Kontakt zu halten. Schließlich benennt man 7 Gaben des Heiligen Geistes, um fassbarer zu machen, was christliche Geisteshaltung auszeichnet: Weisheit, Verstand/Einsicht, Rat, Stärke, Erkenntnis/(heilige) Wissenschaft, Frömmigkeit und Gottesfurcht. Aber auch das, was Leben zerstört und Zusammenleben unmöglich macht, wird in einem Siebener-Bild gefasst, im Bild der 7 Todsünden: Hochmut (Stolz), Habgier (Geiz), Wollust, Zorn, Völlerei, Neid und Trägheit. Mahatma Gandhi, kein Christ, sondern Hindu, hat dennoch daran angelehnt als die 7 Todsünden der modernen Welt beschrieben: Reichtum ohne Arbeit, Genuss ohne Gewissen, Wissen ohne Charakter, Geschäft ohne Moral, Wissenschaft ohne Menschlichkeit, Religion ohne Opferbereitschaft und Politik ohne Prinzipien.

G7-Gipfel 2017 und Pfingsten 2017 mit seinem Gebet um die 7 Gaben des Geistes Gottes – wieder neu geht es darum, dem Ungeist der Schwarzmalerei aber auch der Schönfärberei zu widersagen. Wieder neu geht es darum, sich einem Geist zu öffnen, der die tatsächlichen Gegebenheiten nüchtern wahr und ernst nimmt, und Chancen und Möglichkeiten erkennen und ergreifen lässt, erfüllter und erfüllender zu leben und Leben miteinander zu wagen, nicht einer auf Kosten des anderen.

Bildrechte: Adobe Stock © tai111 & © n41l

Über den Autor/ die Autorin

Pater Heinz-Willi Rivert SAC

Geboren 1960 in Rheinbach bei Bonn. Katholischer Priester in der Gemeinschaft der Pallottiner, Diplom in Theologie und in Psychologie. Ehemals in der Jugend-, Schul- und Pfarrseelsorge tätig, kurz nach der Wende von 1989 auch für drei Jahre im Bistum Erfurt. Seit 2014 tätig in der Hochschulseelsorge und in der Erwachsenenbildung an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Vallendar bei Koblenz.

2017-06-01T13:24:59+00:00 1. Juni 2017|Categories: Christ-Sein im Alltag|0 Comments

Leave A Comment