Trösten - aber wie?

Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott. (Jes 40,1)

 

Wie sehr nicht nur einzelne Menschen, sondern auch  Gruppen und ganze Völker Trost brauchen, beschreibt der um 700 v.C. lebende Prophet Jesaja sehr deutlich. Trost braucht nicht nur der Trauernde, weil ihm ein nahestehender Mensch  verstorben ist. Trost bauchen alle Leidenden:

Trost braucht der Kranke, dem dauerhaft oder nur vorübergehend Gesundheit verloren ging. Trost braucht der Wohnungslose, der Arbeitslose, der Heimatlose. Trost braucht das Kind, das sich gestoßen hat. Trost brauchen alle Menschen, die in irgend einer Art und Weise leiden.

 

5 Stufen des Tröstens

Viele Menschen wollen trösten, wissen aber nicht, wie. Sie wollen den Schmerz nicht vergrößern. Sie wollen niemanden zum Weinen bringen. Dabei ist es so wohltuend, wenn man sich ausweinen kann: Wenn jemand da ist, der mitfühlt und vielleicht auch mitweint.

Allen, die sich beim Trösten unsicher sind, seien die 5 Stufen des Tröstens genannt:

1.Kontaktaufnahme

Leidende, die gemieden werden, fühlen sich wie Aussätzige. Manchmal schrumpft der Freundes- und Bekanntenkreis, weil niemand mit ihnen umzugehen weiß, weil niemand auf Dauer die Aggression aushalten will und weil niemand ständig mit ihnen trauern will.

Auf Leidende zugehen und sie einfach nur fragen, wie es ihnen geht, sich für ihr Befinden ernsthaft zu interessieren, wirkt bereits tröstend.

2. Leid verstehen

Sätze wie „Einmal ist keinmal“ oder „Andere traf es noch schlimmer“ zeugen von Unverständnis. Wer sich das Leid nicht anhören will und sich nicht bemüht, das Leid zu verstehen, kann nicht trösten.

Zuhören, sich um Verständnis des Leides bemühen und zurückzugeben, was man von diesem Leid verstanden hat, zeugt von Verständnis. Nur wer sich mit dem Leid auseinandersetzt und  dem Leidenden zur Seite steht, der hat dieses Leid verstanden.

3. Anteilnahme

Sätze wie „Andere haben es auch geschafft“ zeugen nicht von Anteilnahme.

Anteilnahme heißt, ich lasse das Leid des Anderen ein Stück weit mein eigenes Leid werden. Dies kann bedeuten, dass ich mit dem Weinenden einfach mitweine – auch Männer können weinen! Es gibt schon viel zu viel gefühllose und gefühlsarme Menschen. Müssen Sie doch nicht auch einer von denen werden.

Anteilnahme kann auch eine Berührung oder eine Umarmung sein. Frauen wird dies eher zugebilligt als Männern. Anteilnahme kann auch gemeinsames Schweigen sein. Anteilnahme zeigt sich nicht nur durch Worte.

4. Zuspruch

Es ist gute christliche Tradition, dass man beim Abschied dem anderen Menschen Gutes wünscht. Die irischen Segensgebete geben hierzu ein gutes Beispiel von konkreten Lebensbezügen. Für andere mag es banal klingen, aber es ist ein schönes Gefühl, wenn der Schmerz nachlässt, wenn man endlich einmal eine Nacht durchschlafen kann.

Man muss nur zuhören, was den Leidenden plagt. Dies aufzugreifen und in einen Wunsch zu packen, ist ein wohltuender Zuspruch.

5. Sinngebung

Diese 5. Stufe des Trostes wird nur selten erreicht, oft erst nach Jahren oder Jahrzehnten, denn nur der Leidende kann dem Leid Sinn geben.

Leid hat keinen Sinn, aber man kann dem Leid einen Sinn geben. Begleiter können einer Hebamme gleich dem Leidenden helfend zur Seite stehen, dem Leid einen Sinn geben.

Die ersten 4 Stufen des Tröstens sollte jeder kennen und beherrschen, jede Frau, jeder Mann und jedes Kind.

Über den Autor/ die Autorin

Pater Klaus Schäfer SAC

Pallottiner (www.pallottiner.org ) Pater Klaus Schäfer SAC war von 1999 bis 2014 Klinikseelsorger in Karlsruhe. Dort machte er sich mit seinem Einsatz für Eltern nach Tot- und Fehlgeburt bundesweit einen Namen. Seit 2014 bemüht er sich um eine sachlich korrekte Aufklärung zu Hirntod und Organspende. Hierzu schuf er im Januar 2014 die Internetseite www.organspende-wiki.de und veröffentlichte zahlreiche Bücher und Artikel.

2017-02-20T18:45:20+00:00 21. Februar 2017|Categories: Christ-Sein im Alltag, Glaube und Heilung|Autoren: Pater Klaus Schäfer SAC|0 Comments

Leave A Comment