Das Kreuz mit dem Kreuz - Real Madrid und die Frage nach unserer Integrität

Der spanische Fußballverein Real Madrid möchte verkaufen – vor allem seine Fanartikel: Trikots, Hosen, Shirts, Jacken, Trainingsanzüge, Fahnen, Schals … und … und … und. Es gibt nur ein Problem: Das Vereinswappen besteht aus einem runden Emblem mit den Initialen des Vereins – und auf dem Ganzen sitzt die spanische Krone. Seit 1920 ist in diesem Wappen zusätzlich ein kleines Kreuz auf der spanischen Krone zu finden. Allein zwischen 1931 und 1940 fehlten die Krone mit dem Kreuz komplett. In der damaligen zweiten spanischen Republik waren Monarchie-Symbole verboten. Danach waren Krone und Kreuz aber wieder fester Bestandteil des Real-Madrid-Logos.

Jetzt möchte der Verein das Kreuz auf der Krone gerne loswerden. Und warum? Für einen stärkeren Absatz seiner Fanartikel im arabisch-muslimischen Raum nehmen die Vereinsverantwortlichen offenbar eine Änderung des Vereinslogos in Kauf. Mit Blick auf muslimisch geprägte Regionen soll auf sämtlichen Fanprodukten für die entsprechenden Länder auf das Kreuz verzichtet werden. Vor kurzem hat der Traditionsclub einen Vertrag mit dem arabischen Großhändler Marka abgeschlossen. Dieser besitzt nun exklusive Vermarktungsrechte für Real-Madrid-Artikel in Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Kuwait, Bahrain und Oman. Durch die Maßnahme erhofft man sich natürlich einen besseren Absatz in diesen Ländern.

Das Kreuz ist ein christliches Symbol – ein nicht leicht zu verstehendes. Wir nennen es „Zeichen der Erlösung“. Jesus Christus, der auf Hass und auf Gewalt verzichtete, ist eben genau an diesem Kreuz hingerichtet worden – und so hat er allen Hass, alles Leid, ja selbst den Tod überwinden können. Insofern ist das Kreuz für Christen auch ein Zeichen äußerster Gewaltfreiheit. Weil Christus so gestorben ist wie er gelebt hat, steht das Kreuz aber auch für Jesus Christus selbst – und für alle christlichen Werte, die wir damit verbinden, einschließlich der Gottes- und Nächstenliebe.

In zunehmendem Maße ist zu erkennen, dass diese christlichen Werte nun entweder auf dem Altar des Mammons oder der political Correctness geopfert werden. Wie kann man ernsthaft von Migranten, die nach Europa und nach Deutschland kommen, erwarten, dass sie unsere Spielregeln, unsere Kultur, unseren Glauben respektieren, wenn sie sehen, dass genau diese hier bei uns in Europa verleugnet oder verschachert werden. Das geht sogar so weit, das Tourismusverbände der Alpenregionen ihre Prospekte, die im arabischen Raum für Kunden werben, manipulieren – indem man die Gipfelkreuze von den Fotos wegretuschieren lässt. Der digitalen Fotografie sei Dank – so kann man die christliche geprägte Kultur sehr elegant verleugnen.

Ein wenig erinnert mich das an die Diskussion, die wir im vergangenen Jahr hatten, als der bayrische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Kardinal Marx, den Felsendom in Jerusalem, den ältesten Sakralbau des Islams, besuchten. Üblicherweise erwartet man von christlichen Bischöfen, dass sie ein Bischofskreuz tragen. Doch dieses fehlt auf allen Fotos dieses Ereignisses. Bischof Bedford-Strohm erklärte auf einer Pressekonferenz, man habe auf das Zeigen des Kreuzes nicht nur auf dem Tempelberg, sondern auch beim jüdischen Heiligtum Klagemauer verzichtet – um Zurückhaltung zu zeigen.

Doch gerade diese Zurückhaltung – aus welchen Gründen auch immer – ist es, auf die der Islam setzt. Denn während die christlichen Konfessionen auf einen Dialog setzen, lachen sich immer öfter radikal-islamische Gemeinschaften über dieses offensichtliche Zeichen der Schwäche ins Fäustchen. Denn wenn ein katholischer und ein evangelischer Vertreter der christlichen Kirche es nicht mehr wagen, für das Kreuz einzutreten und sich augenscheinlich davor fürchten, den Islam nicht zu brüskieren, wie kann man dann erwarten, dass die Migranten anderer Religionen noch bereit sind, sich überhaupt auch nur ansatzweise in eine christlich geprägte Gesellschaft einzufügen.

Viele Menschen und auch viele Fußballfans – nicht nur in Spanien – sind entsetzt und fragen sich zu Recht, was der Grund für diese – gelinde gesagt – Zurückhaltung bei Christen ist, die für ihren Glauben in der Welt einstehen sollten. Welches Beispiel geben wir als christliche Länder mit dieser fragwürdigen Haltung den in vielen, besonders islamischen Ländern verfolgten Christen, wo das Tragen des Kreuzes in der Öffentlichkeit sogar mit dem Tod bedroht wird?

Was aber nun Real Madrid angeht, sollten wir einfach zur Kenntnis nehmen: „pecunia non olet“ – „Geld stinkt nicht“. Okay, für einen sich auftuenden, riesigen Markt im arabischen Raum, der viele Millionen, sogar Milliarden verspricht, kann man schon mal ein Kreuz wegretuschieren – was soll´s? Ich fürchte nur: es ist auch die Haltung dahinter, die nichts mehr wert und schon lange zum Teufel gegangen ist! ((30.01.17))

Über den Autor/ die Autorin

Pater Siegfried Modenbach SAC

  • Jahrgang 1962
  • Studium der Theologie in Fulda und Ro
  • Studium der Sozialpädagogik in Fulda
  • 1990 Noviziat der Pallottiner
  • 1992-2002 Leiter des Jugendhofes in Olp
  • 1995 Priesterweihe
  • 2002-2007 Regens in Vallendar
  • seit 1. Oktober 2007 Leiter des Katholischen Forums
  • seit 2010 Vorstandsmitglied der Aidshilfe Dortmund

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