Klage - die vergessene Gebetsform. Darf man mit Gott hadern?

Aus der Liturgie kennen wir Lob und Preis, Bitte und Dank. Daneben gibt es noch eine 5. Gebetsform, die oft vergessen wird, zuweilen sogar auch verboten wird, weil man meint, mit Gott nicht hadern zu dürfen. Dabei kennt die Bibel selbst Klagepsalmen und Klagelieder. Auch Klage ist Gebet. Es kann tröstend wirken, Leidende zu dieser 5. Gebetsform zu ermutigen. Gibt es doch in der Bibel die Klagelieder und Klagepsalmen.

Jesus selbst betete am Kreuz den Beginn des Psalms 22: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, bist fern meinem Schreien, den Worten meiner Klage?“ (Ps 22,1; Mt 27,46; Mk 15,34) Daneben gibt es noch weitere biblische Beispiele der Klage. Der große Ankläger Gottes ist Jiob: Nachdem er seinen ganzen Besitz verlor, alle seine 7 Söhne und 3 Töchter gestorben waren und er schließlich noch seine Gesundheit verlor (er bekam Aussatz), sagte seine Frau zu ihm:

„Lästere Gott und stirb!“ (Ijob 2,9) Doch  Ijob lästerte Gott nicht, wollte aber gegen Gott einen Rechtsstreit führen: Gott sollte ihm sagen, warum ihn so schweres Leid trifft. Für dieses Ansinnen wurde Ijob nicht bestraft, sondern gesegnet. Er erhielt doppelt so viel Besitz. Ihm wurden 7 Söhne und 3 Töchter geboren. Und er durfte noch seine Urenkel erleben.

Eine sehr anschauliche Geschichte ist Jakobs Kampf mit Gott (Gen 32,23-33): Bei der Überquerung des Flusses Jabbok rang Jakob mit Gott. Er wurde sogar gegenüber Gott sogar handgreiflich. Dafür wurde er nicht bestraft, sondern wurde von Gott gesegnet. Wenn uns Leid trifft, sollten wir nicht zögern, auch mit Gott zu hadern, wenn uns danach ist. Denn Klage ist eine Gebetsform, die letztlich auch Segen bringen kann. Dies zeigen die Beispiele von Jakob und Hiob auf. ((03.02.16; Bild: pixabay))

Über den Autor/ die Autorin

Pater Klaus Schäfer SAC

Pallottiner (www.pallottiner.org ) Pater Klaus Schäfer SAC war von 1999 bis 2014 Klinikseelsorger in Karlsruhe. Dort machte er sich mit seinem Einsatz für Eltern nach Tot- und Fehlgeburt bundesweit einen Namen. Seit 2014 bemüht er sich um eine sachlich korrekte Aufklärung zu Hirntod und Organspende. Hierzu schuf er im Januar 2014 die Internetseite www.organspende-wiki.de und veröffentlichte zahlreiche Bücher und Artikel.

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