Bibelfest

Beim Lesen des Hamburger Abendblatts ging es mir mal wieder deutlich auf: Auch in der Zeitung wird man an die Bibel erinnert. Da wurde nämlich der Hamburger Elbtower als 200 m hoher Wolkenkratzer beschrieben. Er wäre dann in Hamburg das höchste Bauwerk nach dem Fernsehturm. Nach der vollendeten Elbphilharmonie soll es nach den Planern wohl noch ein neues Wahrzeichen der Stadt geben. Ist es Hochmut, geht es ums Prestige oder um grandiose Architektur? Ich gebe zu: Mir gefällt die Idee, die ja schon einige Jahrzehnte alt ist. Nun soll sie, wenn sich ein Investor findet, an den Elbbrücken realisiert werden. In den Leserbriefen und in den Kolumnen der Zeitung wurde zu Recht an den Turmbau zu Babel in der Bibel erinnert. Da ging es damals um den Hochmut der Menschen. Man wollte gottähnlich sein. Sich mit ihm messen. Eine Form von Größenwahn war es. Nun, das hat es in der Geschichte der Menschen immer wieder gegeben. Wo sind die Grenzen kann man fragen? Wird auch hier Gott am Ende mit einer Sprachverwirrung strafen?

In diesem Zusammenhang erinnere ich mich wieder dankbar an meinen ehemaligen Deutschlehrer im Gymnasium, bei dem ich auch meine Deutschabiturprüfungen abgelegt habe. Ihm, Herrn Bernhard Grund, war es wichtig, uns Schülern eine Bibelfestigkeit zu vermitteln. In der Regel gibt es in der Literatur Bezüge zu biblischen Themen. Dies zu erkennen und zu bedenken ist sinnvoll und wünschenswert. Ist die Bibel doch das Buch der Bücher! Eine Gedichtinterpretation oder eine Textanalyse war in seinen Augen von uns Schülern schon richtig angegangen, wenn wir einen biblischen Bezug herstellen konnten. Ich freue mich deshalb jedes Mal, wenn ich beim Lesen von moderner oder klassischer Literatur diese biblischen Bezüge entdecke und bedenke.

Nun ging es mir mal wieder so beim Lesen des Abendblattes. Der Elbtower gab den Anlass. Übernimmt sich mit diesen Plänen der Mensch, oder entfaltet er seine technischen, finanziellen und architektonischen Möglichkeiten? Bleibt der Mensch auf dem Teppich, behält er seine soziale Verantwortung, oder höhnt er Gott? Der Bibel sei Dank. Mit ihren Geschichten hilft sie uns Menschen unsere Aktivitäten zu bedenken und auch im Angesichte Gottes zu prüfen. Der Mensch ist von Gott groß gemacht, berufen in der Welt zu handeln und für den Nächsten zu sorgen. Dafür dürfen wir danken, aber wir müssen uns auch vor Gott verantworten meint Ihr Pfarrer

P. Hans-Joachim Winkens SAC

Foto: www.mediaserver.hamburg.de / Sascha Neuroth

Über den Autor/ die Autorin

Pater Hans Joachim Winkens SAC

Pallottiner Pater Hans Joachim Winkens SAC, gebürtiger Westerwälder,  war lange Jahre Internatsleiter und Rektor im Vinzenz-Pallotti-Kolleg in Rheinbach bei Bonn. 2005-2007 war er der letzte Provinzial der Norddeutschen Provinz der Pallottiner in Limburg. Seit 2007 arbeitet er als Pfarrer in Hamburg. Seit 2014 ist er dort leitender Pfarrer der Pfarrei Seeliger Johannes Prassek. Zugleich ist er Rektor der Pallottinischen Gemeinschaft Nordost Ost. Diese umfasst 12 Mitbrüder in Berlin, Hamburg und Bad Zwischenahn.

2017-06-13T10:16:49+00:00 12. Juni 2017|Categories: Christ-Sein im Alltag|Autoren: Pater Hans Joachim Winkens SAC|0 Comments

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